Frage 101-144

Auf einem System gebe es drei aktive Prozesse mit den Nice-Werten -10, 0 und +10, alle anderen Prozesse seien inaktiv (schlafend). Welche Aussagen sind richtig? (Wählen Sie alle zutreffenden Antworten aus.)

  1. Prozesse mit negativem Nice-Wert blockieren alle mit Nice-Wert größer oder gleich Null.

  2. Die Prozesse werden in der Reihenfolge des Nice-Wertes abgearbeitet; erst wenn die Prozesse mit Nice-Wert -10 und 0 beendet sind, kommt der dritte Prozess an die Reihe.

  3. Der Nice-Wert von -10 muss von root gesetzt worden sein.

  4. Ein höherer Nice-Wert bedeutet einen geringeren Anteil an der Prozessor-Leistung.

LPI-Lernziel Prozess-Ausführungsprioritäten ändern (103.6)

Über die Details der Rechenzeitzuordnung lassen sich keine hundertprozentig konkreten Angaben machen (sie können auch vom Systemadministrator konfiguriert werden, um den Durchsatz des Systems für dessen interessante Anwendungen zu optimieren). Sicher ist jedoch zunächst, dass höhere Nice-Werte eine geringere Prozesspriorität implizieren -- man ist »nett« (nice) und stellt sich selbst gegenüber den anderen Benutzern des Systems zurück. Antwort 4 ist also auf jeden Fall zutreffend. Entsprechend darf nicht jeder beliebige Benutzer »unnett« sein; negative Nice-Werte, die mit höheren Prioritäten korrespondieren, sind root vorbehalten, und Antwort 3 stimmt. (Wenn das nicht so wäre, würde ja niemand Prozesse mit Nice-Werten außer -20 laufen lassen.)

Ansonsten gilt in der Regel, dass das System keine Prozesse »verhungern« läßt. Selbst wenn es Prozesse mit sehr hoher Priorität (niedrigem oder gar negativem Nice-Wert) im System gibt, bekommen auch die anderen, sofern sie überhaupt lauffähig sind (also nicht auf Ein- oder Ausgabe warten), hin und wieder ein paar Prozessorzyklen ab. Antwort 1 ist also nicht richtig. Außerdem versucht das System, so weit wie möglich Prozesse (quasi-)parallel auszuführen, halt mit unterschiedlicher Priorität; Antwort 2, wo erst die Prozesse höherer Priorität zu Ende laufen sollen, ist also auch Stuss.

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Mmmmh ...

bernd (Gast) · 6. Oktober 2010, 14:33

... wenn ich auf meinem Rechner Flash-Filmchen im Firefox, der mit einem Nice-Wert von 0 gestartet wurde, betrachte, ist sein Anteil an der Prozessorlast nicht unerheblich, während gleichzeitig etliche andere Prozesse mit negativem Nice-Wert laufen, die jeweils weniger als ein Promille der CPU-Takte in Anspruch nehmen.

Also bin ich mit der Antwort, dass die Höhe der Priorität mit der Prozessorlast korreliere, nicht einverstanden, da ein Prozess, der mit hoher Priorität läuft, aber nichts zu tun hat, auch keinen nennenswerten Anteil an der Prozessorauslastung hat.

Mmmmh ...

Anselm Lingnau (eingetragen) · 6. Oktober 2010, 16:32

Du hast die Frage nicht komplett gelesen. Prozesse, die nichts zu tun haben, kommen natürlich nicht dafür in Frage, einen Anteil an der CPU-Zeit zu bekommen (warum auch?). Die CPU-Zeit wird nur zwischen lauffähigen Prozessen verteilt, also genau solchen, die etwas zu tun haben, und da ist höhere Priorität das Kriterium dafür, mehr CPU-Zeit zugeteilt zu bekommen. Der Nice-Wert beeinflusst die Priorität, aber die Priorität hängt nicht nur vom Nice-Wert ab.

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